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Nationalgalerie Neue Nationalgalerie [A II 488]

Das Trojanische Pferd

http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=ImageAsset&module=collection&objectId=967284&resolution=superImageResolution#2551710 (Neue Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Neue Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders (CC BY-NC-SA)

Description

Immer wieder hat Lovis Corinth der antiken Literatur Motive entlehnt. Als bedeutendes Alterswerk entstand kurz vor seinem Tod die seltsam modern und gegenwärtig wirkende Geschichtsdarstellung "Das Trojanische Pferd". Dargestellt ist eine Szene aus dem Kampf um Troja nach dem uralten Epos Ilias von Homer: Nach jahrelanger Belagerung der Stadt gibt das Heer der Griechen scheinbar auf und stellt ein riesiges hölzernes Pferd als Siegesgabe vor die unüberwindlichen Mauern. Corinth zeigt die Verhaftung des als Boten zurückgelassenen Griechen und einen schwer bewaffneten Trupp der Hellenen, der sich aus einem der Stadttore nähert und später das Ungetüm in die Stadt ziehen wird. Die darin verborgenen Griechen werden nachts die Tore öffnen und damit den Untergang der Trojaner einleiten.
Die Darstellung, durch etliche Zeichnungen vorbereitet, bleibt bewusst unbestimmt und durch die kurzen, nervösen Pinselstriche skizzenhaft. Trotz ironischer, ja karikierender und vieler farbpoetischer Momente ist eine hintergründige Vision von Bedrohung und Untergang entstanden. Der festungsartigen, von einem blau schimmernden Meer umgebenen Stadt unter einem rot und gelb geschlierten Himmel steht der schiefergraue Koloss des Pferdes der Griechen entgegen. Die agierenden Personen verunklären absichtsvoll die Komposition. Das Licht der niedrig stehenden Sonne umfängt Boote, Krieger und das hölzerne Pferd mit einem schimmernden Lichtrand. In sein Tagebuch schrieb Corinth im März 1924: „Ein Neues habe ich gefunden: die wahre Kunst ist Unwirklichkeit üben. Das Höchste!“ (Lovis Corinth, Selbstbiographie, Leipzig 1926, S. 185).
Corinth hat selbst noch das ursprünglich seiner Frau Charlotte Berend-Corinth zugedachte Gemälde als Leihgabe in die „Neue Abteilung der Nationalgalerie“ im ehemaligen Kronprinzen-Palais gegeben. In der Gedächtnisausstellung der Nationalgalerie im Jahr 1926 war das Bild dann ein Hauptwerk. Justi fasste im Vorwort des Kataloges die Wirkung des Gemäldes zusammen: „der ganze Bildraum funkelnd, als wäre ein Tau farbiger Edelsteine gefallen“ (Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Kat. Nationalgalerie, Berlin 1926, S. 9).
Aus der Gedächtnisausstellung kam das Werk als Geschenk der Witwe und der Kinder des Künstlers in die Sammlung der Nationalgalerie. 1937 wurde es als „entartet“ beschlagnahmt und in der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. 1939 gelang es jedoch, das Werk unter dem Vorwand eines vorgesehenen Bildertausches mit der noch als Eigentümer fungierenden Familie zurückzuholen.
Die Modernität des Gemäldes machte es begehrenswert, hat es gefährdet, ließ die Nationalgalerie eine List zu seiner Rettung ersinnen und überzeugt noch heute den Betrachter von der hohen Kunst des alten Corinth. | Angelika Wesenberg

Material/Technique

Öl auf Leinwand

Measurements

Höhe x Breite: 105 x 135 cm; Rahmenmaß: 127 x 157,5 x 8,5 cm

Painted ...
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Object from: Nationalgalerie

Die Nationalgalerie umfängt einen Kosmos der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Wer sich in ihre Ausstellungen begibt, ...

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[Last update: 2019/07/01]

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