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Nationalgalerie Alte Nationalgalerie [A I 34]

Gefangene Kavaliere vor Cromwell

http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=ImageAsset&module=collection&objectId=958444&resolution=superImageResolution#2534943 (Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Andres Kilger (CC BY-NC-SA)

Description

Cretius erfuhr in den 1830/40er Jahren seine prägenden künstlerischen Erfahrungen in Paris und Brüssel. 1860 wurde er Mitglied der Berliner Akademie, 1868 erhielt er die Große Goldene Medaille der Akademie für sein Bild »Gefangene Kavaliere vor Cromwell (nach der Schlacht vor Worcester)«, das daraufhin für die Nationalgalerie erworben wurde.
Die Person Oliver Cromwell war Jahre zuvor, in der bewegten Zeit um 1848, ein auch zeitgeschichtlich bedeutsames Thema gewesen. Die Ereignisse um den Begründer der englischen Republik besaßen damals ein »ergreifendes Interesse«, wie der Stifter der Nationalgalerie, Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, der mehrere entsprechende Bilder erwarb, es formulierte (Brief Wagener an Hermann Stilke, zit. nach: Die Gründung der Nationalgalerie in Berlin, Köln 2013, S. 284).
Cretius, der das Motiv in den 1860er Jahren mehrfach erneut aufnahm, verfolgte wohl einen anderen Aspekt der Geschehnisse, der aber ebenfalls von Interesse gewesen sein wird. Er zeigt keine Schlachten, sondern einen sinnenden Cromwell und das Aufeinandertreffen zweier Parteien und Kulturen. So verstand auch der Rezensent der »Zeitschrift für bildende Kunst« das Bild: »Das ist ein so prägnantes Zeitbild und vergegenwärtigt mit solcher Schärfe die auf einander platzenden Gegensätze in ihrem Wesen, ihrer Berechtigung und ihren Fehlern, daß dieses Bild – zumal mit Rücksicht auf seine treffliche malerische Ausführung – zu den gelungensten Versuchen gehört, der Darstellung geschichtlicher Gegenstände ein wirkliches, lebendiges Interesse abzugewinnen« (Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst, 4. Jg., 1869, H. 8, S. 719).
Unser Bild zeigt eine finster freudlose Szene: Cromwell, ein Geistlicher und ein weiterer Berater sitzen am Tisch, hinter ihm liest ein Puritaner im Brevier, ein geharnischter Krieger und ein weiterer Mann stehen dabei; andere Puritaner und Krieger führen einen Kavalier aus dem Heere des Königs, begleitet von seinem kleinen Sohn und dem alten Vater herein, trotz ihrer hoffnungslosen Situation sind sie die farbigsten Personen in diesem Raum.
Nach der Schlacht bei Worcester am 3. September 1651, der letzten im Englischen Bürgerkrieg, wurden Tausende der Gefangenen in die neu gebildete Parlamentsarmee zwangsverpflichtet oder in die Kolonien, nach Neuengland oder Westindien, zur Zwangsarbeit deportiert. Ähnliches kann auch diesen Kavalier erwartet haben.
Die Kunstzeitschrift »Dioskuren« stellte in ihrem Beitrag die allseitige Empathie des Künstlers heraus: »Der Gegensatz zwischen der ruhigen, seiner selbst gewissen Haltung Cromwell’s, der, im Lehnstuhl sitzend, die Vorführung der Gefangenen erwartet und in keinem Zuge seines edlen, aber gelblichen Gesichts verräth, was in seinem Innern vorgeht, und der nicht minder stolzen Haltung des gefangenen Cavaliers, welcher mit seiner Rechten den theuren Sohn umfaßt hält, während der greise, sich auf einen Stock stützende Vater die Hand, wie zur Fassung mahnend, auf seine linke Schulter legt, ist gerade durch die außerordentliche Ruhe und die Vermeidung jedes konventionellen Geistes, wahrhaft ergreifend« (Dioskuren, 13. Jg., 1868, Nr. 13, S. 310).
1870 zeigte die permanente Ausstellung des Berliner Künstlervereins von Cretius eine Studie, »Cromwell in Gedanken sitzend« (Museum Folkwang, Essen). Vier Jahre zuvor, 1866, hatte Cretius das Bild »Der Empfang der Salzburger Protestanten durch Friedrich Wilhelm I.« (zuletzt Sotheby’s München, Auktion vom 2.12.1997) in Berlin gemalt, das nährt die Vermutung, daß der sich vorbereitende Kulturkampf mit der katholischen Kirche unter Bismarck das neue Interesse an dem englischen Konfessions-, Kultur- und Bürgerkrieg nährte. | Angelika Wesenberg

Material/Technique

Öl auf Leinwand

Measurements

Höhe x Breite: 96 x 125 cm; Rahmenmaß: 144 x 164 x 12 cm

Painted ...
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Object from: Nationalgalerie

Die Nationalgalerie umfängt einen Kosmos der Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Wer sich in ihre Ausstellungen begibt, ...

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