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Kupferstichkabinett [SZ Menzel Nr.1839]

Besuch im Eisenwalzwerk (Zum Gedenken der 25jährigen Teilhaberschaft von Eduard Arnhold an der Kohlefirma Caesar Wollheim am 1. Januar 1900)

http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=ImageAsset&module=collection&objectId=610602&resolution=superImageResolution#466925 (Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders (CC BY-NC-SA)

Description

Im Entstehungsjahr dieses Gouachebildes wohnte und arbeitete der 85jährige Menzel gerade 25 Jahre im Hause Sigismundstraße 3 am Tiergarten im »alten Westen«, Berlins, das dem in der Nähe wohnenden Kaufmann Eduard Arnhold gehörte. Dieser hatte das Gebäude schon zu Menzels Lebzeiten verkauft, allerdings mit der Auflage, den bereits vorgesehenen Abbruch auf die Zeit nach Menzels Tod zu verschieben. Arnhold, der ein außerordentlich erfolgreicher Handelskaufmann war, hat sich auch als Mäzen und Kunstsammler hervorgetan. Früh erwarb er französische Impressionisten, aber vor allem deutsche Künstler wie Klinger, Böcklin, Tuaillon, Leibl, Thoma, die Deutsch-Römer, Corinth und Liebermann. Von Menzel besaß er etwa zehn Arbeiten (vgl. Hugo von Tschudi, in: Kunst und Künstler, 7/1909, 5. 19f.). Seine Laufbahn hatte Arnhold 1863 mit einer Handelslehre in der Kohlefirma Caesar Wollheim in Berlin begonnen, war 1875 bereits Teilhaber und 1882, nach Wollheims Tod Inhaber der Firma. Unter seiner Leitung florierte das Unternehmen international, 1891 wurde er zum Geheimen Kommerzienrat ernannt und avancierte zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Wirtschaft des deutschen Kaiserreichs.
Unser Blatt entstand zum Gedenken der 25jährigen Teilhaberschaft Arnholds am 1. Januar 1900, auf Bestellung seiner Frau Johanna Arnhold. Eine Verzögerung der Arbeit erklärte Max Jordan mit Menzels Gründlichkeit, und das Gedenkbuch für Eduard Arnhold 1928 mit dem Abdruck eines leider undatierten Briefes Menzels: »Hochgeehrte Frau! Ich bin in den letzten Tagen durch eine Zwischenarbeit aus Anlaß des Kaisers sehr unterbrochen worden, daher nicht imstande gewesen, weiterzuarbeiten. Es schadet jedoch ihrer Angelegenheit durchaus nicht, daß das Werk um eine Woche verzögert wird - im Gegenteil. Die erwähnte Sache ist unvermeidlich. Hochachtungsvoll ergebenst v. Menzel« (Max Jordan: Das Werk Adolf Menzels 1815-1905, München 1905, S. 100; Ein Gedenkbuch – Eduard Arnhold, hg. von Johanna Arnhold, Berlin 1928, S. 218). Der Anlaß gab Menzel Gelegenheit, noch einmal eine letzte Reminiszenz seines »Eisenwalzwerks« (1875, Nationalgalerie Berlin) in einer ganz freien Variation des Themas vorzunehmen. Vielleicht eingedenk häufiger Reisen des zu Beschenkenden entwarf Menzel eine Besuchsszene auf dem Gelände eines Hüttenwerkes mit Hochofen und Rohrleitungen im Hintergrund. Ein Aufsichtsrat in Begleitung zweier Damen begrüßt den Direktor, ihm jovial die Hand schüttelnd, während sein Hund an ihm hochspringt und im Vordergrund ein merkwürdig blickender Arbeiter Kohle schaufelt. Arnhold war selber mehrfach im Monat in Oberschlesien, was er »ins Revier fahren« nannte, wie im Gedenkbuch mitgeteilt wird, wobei es auch naheliegt, Menzel habe Arnhold selber mit Frau und Tochter Else gemeint.
Im Vergleich zur ausgeklügelten Komposition mit ornamentaler Umrahmung des Gedenkblattes zum 50jährigen Bestehen des Eisen-, Kupfer- und Messingwerkes der Firma Heckmann in Berlin von 1869 (Kupferstichkabinett Berlin) ist es erstaunlich, zu sehen, wie souverän, anscheinend mühelos, Menzel dreißig Jahre später seiner Idee Gestalt verlieh. Er hatte die unerhört fortschreitende Industrialisierung und deren Probleme im Laufe dieser Jahrzehnte wahrgenommen, unter ihren Erscheinungen mehrfach Motive seiner Kunst gefunden. Schon in der »Heckmann-Adresse« standen Schmelz- und Walzarbeit in den Werkhallen in zwei Szenen im Mittelpunkt. Um sein »Eisenwalzwerk« malen zu können, war Menzel 1872 nach Königshütte in Oberschlesien gefahren und hatte die sozialen Nöte der arbeitenden deutsch-polnischen Bevölkerung kennengelernt. 1871 waren Aufstände im Hüttenrevier - durch Bismarcks antikatholische Maßnahmen forciert - mit Militärgewalt niedergeschlagen worden. Damals hatte er sich zeichnend im Hintergrund der kleinen Gouache »Am Dampfhammer« dargestellt, auf der vorn groß ein Arbeiter an dieser Maschine steht (1872, Leipzig Museum der bildenden Künste,

Material/Technique

Aquarell, Gouache und schwarze Tusche auf Papier

Measurements

Blattmaß: 26,6 x 19,8 cm

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Kupferstichkabinett

Object from: Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett ist das Museum der Graphischen Künste bei den Staatlichen Museen zu Berlin. Es bildet dort das Sammlungs-, Kompetenz- und ...

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